2. Juni 2010 von Linsenmax-Team
Die meisten Menschen mögen keine Würmer. Richtig eklig wird es dann, wenn es sich die Parasiten in unserem Körper gemütlich machen. Die schlechte Nachricht: Der Augenwurm Thelazia callipaeda ist in der Schweiz angekommen. Er wurde 1989 das erste Mal in Italien nachgewiesen. „Seither hat er sich massiv verbreitet und wurde 2004 bereits gehäuft im Tessin [bei Hunden und Füchsen] nachgewiesen“, sagt Dr. Manuela Schnyder, die am Institut für Parasitologie der Uni Zürich die Ausbreitung des Parasiten intensiv verfolgt, gegenüber 20min.ch.
Augenwürmer sind unschöne und gefährliche Parasiten. In Panik braucht man allerdings nicht zu verfallen, denn in der Schweiz ist bei Menschen noch kein Befall aufgetreten. Wenn Unregelmässigkeiten bei Ihnen auftreten, wenden Sie sich an den Augenarzt. So kann ein allfälliger parasitärer Befall im Frühstadium behandelt werden und man hat nichts zu befürchten.
Ursprünglich kommt der Parasit aus Asien und ist nun auf dem Weg in Richtung Nordeuropa. Laut Schnyder sind schon 11 Prozent aller Hunde und 7 Prozent aller Füchse im Südtessin von diesem Parasit befallen. Auch bei Katzen können diese Würmer auftreten und sogar Menschen sind nicht gefeit davor.

Nun die gute Nachricht: Bisher sind nur vier Fälle bei Menschen in Europa nachgewiesen worden, in Frankreich und Italien. Die Larven des Wurms werden von Fruchtfliegen übertragen. Sie siedeln sich im Auge an und ernähren sie sich von Tränenflüssigkeit. Die Infektion tritt dabei vor allem in den warmen Monaten Mai bis Oktober auf.
Die Würmer verursachen Gewebeschäden und können Entzündungen hervorrufen, z. B. Bindehautentzündung. Auch Lichtüberempfindlichkeit, Augenausfluss, Hornhautentzündung oder ein trübes Auge sind mögliche Symptome. Wenn diese Symptome auftreten, kann man die Würmer makroskopisch sehen oder sie durch eine Untersuchung einer Augenspülung nachweisen. Im ausgewachsenen Stadium kann man sie mit blossem Auge erkennen, sie können bis zu 2cm lang werden.

Behandelt werden Parasiten im Auge medikamentös. Da der Körper Abwehrstoffe als Reaktion auf tote Parasiten produziert, die mitunter sehr gefährlich sein können, kann die Behandlung nur langsam durchgeführt werden. Auch operative Methoden zur Entfernung der sichtbaren Würmer können angewandt werden. Kontaktlinsen sollten während der Behandlung natürlich nicht getragen werden.

Wir haben Dr. Domenico Otranto, Professor für tierische Parasitenkrankheiten an der medizinischen Veterinärfakultät in Bari (Italien) befragt, wie man sich und seine Vierbeiner denn vor diesen Würmern schützen kann. Laut Otranto kann man Augenwürmern vorbeugen, indem man auf sich und seine Haustiere achtet, besonders wenn man in Risikogebieten wie Zentralafrika oder China unterwegs ist. Da diese von Fliegen übertragen werden, sollte man sich unbedingt mit einem Insektenabwehrmittel schützen, und beim Schlafen ist ein Moskitonetz von Vorteil. Auch eine Klimaanlage kann helfen, denn Insekten werden von Kälte abgeschreckt. Natürlich sollten die Fenster möglichst geschlossen sein.
Bilder mit freundlicher Genehmigung von Dr. Otranto